Das sollten Sie bei Gewitter lieber lassen

Das sollten Sie bei Gewitter lieber lassen

Gewitter gehören zu den eindrucksvollsten Naturschauspielen – und zugleich zu den gefährlichsten. Jedes Jahr werden in Deutschland Menschen durch Blitzschlag verletzt, einige Unfälle enden tödlich. Dabei lassen sich die meisten Risiken durch richtiges Verhalten deutlich reduzieren. Entscheidend ist, Gefahrensituationen rechtzeitig zu erkennen und zu meiden, bevor das Gewitter unmittelbar über einem steht.

Die größte Herausforderung besteht darin, dass sich Gewitterzellen oft rascher entwickeln als erwartet. Was am Horizont noch harmlos aussieht, kann innerhalb von Minuten zur akuten Bedrohung werden. Wer die typischen Risikofaktoren kennt und entsprechend handelt, erhöht seine Sicherheit erheblich.

Warum Geschwindigkeit bei Gewittern unterschätzt wird

Viele Menschen warten bei aufziehenden Gewitterwolken noch ab, bis die ersten Regentropfen fallen, bevor sie Schutz suchen. Dieses Verhalten kann fatal sein. Gewitterfronten bewegen sich mit Geschwindigkeiten von 40 bis 60 Kilometern pro Stunde, in Extremfällen sogar schneller. Was vor zehn Minuten noch weit entfernt schien, steht plötzlich direkt über einem.

Der Donner liefert dabei einen wichtigen Hinweis: Zwischen Blitz und Donner vergehen etwa drei Sekunden pro Kilometer Entfernung. Hören Sie den Donner weniger als zehn Sekunden nach dem Blitz, befindet sich das Gewitter bereits in unmittelbarer Nähe – etwa drei Kilometer oder weniger. Dann bleibt kaum noch Zeit, einen sicheren Ort zu erreichen.

Besonders tückisch: Blitze können auch außerhalb der eigentlichen Gewitterzelle einschlagen, teilweise mehrere Kilometer vom sichtbaren Zentrum entfernt. Selbst wenn es noch nicht regnet oder stürmt, besteht bereits Gefahr.

Bäume und erhöhte Positionen als Risikofaktoren

Der alte Merkspruch über Eichen und Buchen gehört ins Reich der gefährlichen Mythen. Tatsächlich sucht sich der Blitz stets den kürzesten Weg zur Erde – und das sind erhöhte Punkte in der Landschaft. Einzeln stehende Bäume, egal welcher Art, ziehen Blitze regelrecht an.

Unter einem Baum Schutz zu suchen, ist eine der häufigsten Ursachen für Blitzunfälle im Freien.

Besonders gefährlich wird es, wenn man sich direkt an den Stamm lehnt oder darunter steht. Der Blitz schlägt in die Baumkrone ein, der Strom fließt durch den Stamm zur Erde und kann dabei auf den Menschen überspringen – ein sogenannter Überschlag. Selbst wenn der Blitz nicht direkt trifft, entstehen im Boden um den Baum herum gefährliche Spannungsunterschiede, die sogenannte Schrittspannung.

Auch andere exponierte Stellen sind zu meiden:

  • Hügelkuppen und Bergspitzen
  • Türme, Aussichtsplattformen und Masten
  • Freie Felder ohne Deckung
  • Gewässerufer mit wenig Bewuchs

In bergigem Gelände verschärft sich die Situation zusätzlich. Neben dem Blitzrisiko drohen bei Starkregen Steinschlag, Erdrutsche und Sturzfluten. Wer in den Bergen unterwegs ist, sollte daher bereits bei der Tourenplanung die Wettervorhersage genau studieren und bei Gewittergefahr den Ausflug verschieben.

Metallische Gegenstände und ihre Gefahren

Metall leitet elektrischen Strom hervorragend – das macht metallische Objekte bei Gewitter zu einem zusätzlichen Risiko. Wer einen Regenschirm mit Metallgestell, Wanderstöcke, eine Angel oder Golfschläger in der Hand hält, erhöht seine Angriffsfläche und damit die Wahrscheinlichkeit eines Blitzschlags.

Diese Gegenstände sollten Sie bei Gewitter ablegen:

  1. Regenschirme (Metallgestell und Spitze)
  2. Angel- und Golfsportausrüstung
  3. Wanderstöcke und Nordic-Walking-Stäbe
  4. Werkzeuge mit Metallgriffen

Auch Fahrräder und Motorräder gehören in diese Kategorie. Der Metallrahmen macht Radfahrer auf freier Strecke zu einem bevorzugten Ziel für Blitze. Bei ersten Anzeichen eines Gewitters sollten Sie absteigen, das Rad ablegen und mindestens fünf Meter Abstand halten, während Sie in geduckter Haltung Schutz suchen.

Balkone und Terrassen mit Metallgeländern stellen eine weitere oft unterschätzte Gefahr dar. Das Metall kann den Blitz anziehen und weiterleiten. Selbst geöffnete Fenster in oberen Stockwerken können zum Einfallstor für Blitze werden.

Verhalten im und am Wasser

Wasser ist ein ausgezeichneter Leiter für elektrische Ströme. Ein Blitzeinschlag in ein Gewässer verteilt die Energie über eine große Fläche – mit potenziell tödlichen Folgen für alle, die sich im oder am Wasser befinden. Schwimmer, Surfer und Wassersportler sind bei Gewitter akut gefährdet.

Die Empfehlung lautet daher: Bei den ersten Anzeichen eines Gewitters das Wasser sofort verlassen. Das gilt für Seen, Freibäder, Flüsse und das Meer gleichermaßen. Auch am Ufer besteht noch erhöhtes Risiko, da der nasse Untergrund den Strom gut leitet. Suchen Sie stattdessen ein festes Gebäude oder zumindest ein Auto auf.

Boote bieten keinen ausreichenden Schutz, es sei denn, sie verfügen über eine professionelle Blitzschutzanlage. Kleine Sportboote, Kajaks oder Ruderboote sollten Sie bei Gewittergefahr meiden oder schnellstmöglich an Land bringen.

Sichere Orte und Schutzhaltung im Freien

Der beste Schutz bei Gewitter ist ein geschlossenes Gebäude mit Blitzableiter. Auch moderne Autos mit Metallkarosserie bieten dank des sogenannten Faradayschen Käfigs guten Schutz – vorausgesetzt, man berührt keine Metallteile im Innenraum und hält Fenster und Türen geschlossen.

Wer im Freien vom Gewitter überrascht wird und keinen Unterschlupf erreicht, sollte folgende Schutzhaltung einnehmen:

  • Hocken Sie sich mit geschlossenen Füßen hin
  • Setzen Sie sich auf die Fußballen, nicht flach auf den Boden
  • Umfassen Sie die Knie mit den Armen
  • Senken Sie den Kopf, um die Silhouette zu minimieren
  • Halten Sie mindestens drei Meter Abstand zu anderen Personen

Diese Haltung verringert die Kontaktfläche zum Boden und reduziert damit das Risiko einer Schrittspannung. Flaches Hinlegen ist dagegen gefährlich, da die Kontaktfläche vergrößert wird.

Mulden und Senken bieten relativen Schutz, sofern keine Überschwemmungsgefahr besteht. Meiden Sie jedoch feuchte Stellen, Bäche und Rinnen, durch die sich Wasser sammeln könnte.

Elektronische Geräte und Vorbereitung

Auch im Haus gibt es Vorsichtsmaßnahmen zu beachten. Blitze können über Stromleitungen, Telefon- und Datenkabel ins Gebäude gelangen und empfindliche Elektronik zerstören. Bei starkem Gewitter empfiehlt es sich, Stecker wichtiger Geräte zu ziehen – nicht nur den Netzstecker, sondern auch Antennenkabel, LAN-Verbindungen und Telefonleitungen.

Duschen oder Baden während eines Gewitters ist in modernen Gebäuden mit Kunststoffleitungen meist unbedenklich, in Altbauten mit Metallrohren jedoch riskant. Gleiches gilt für das Telefonieren mit schnurgebundenen Festnetztelefonen – Mobiltelefone sind hingegen sicher.

Zur Vorbereitung auf Gewitter gehört die regelmäßige Kontrolle der Wettervorhersage, besonders vor Outdoor-Aktivitäten. Wetter-Apps bieten heute präzise Unwetterwarnungen und Regenradar-Funktionen. Planen Sie bei mehrtägigen Wanderungen oder Campingausflügen stets alternative Routen und Notunterkünfte ein.

SituationRisikoEmpfehlung
Unter freistehenden BäumenSehr hochSofort verlassen, mindestens 10 m Abstand
Im/am WasserSehr hochWasser verlassen, festes Gebäude aufsuchen
Auf dem FahrradHochAbsteigen, Rad ablegen, Schutz suchen
Im Auto (Metallkarosserie)GeringIm Fahrzeug bleiben, Metall nicht berühren

Diese Informationen basieren auf allgemeinen Sicherheitsrichtlinien und ersetzen keine professionelle Beratung durch Rettungsdienste oder Meteorologen bei akuten Gefahrenlagen.

Häufig gestellte Fragen

Wie erkenne ich, ob ein Gewitter gefährlich nah ist?

Zählen Sie die Sekunden zwischen Blitz und Donner. Drei Sekunden entsprechen etwa einem Kilometer Entfernung. Hören Sie den Donner weniger als zehn Sekunden nach dem Blitz, befindet sich das Gewitter in unmittelbarer Nähe (unter drei Kilometer) und Sie sollten sofort Schutz suchen.

Ist man im Auto wirklich sicher vor Blitzen?

Ja, Autos mit geschlossener Metallkarosserie wirken wie ein Faradayscher Käfig und leiten den Strom außen ab. Wichtig ist, während des Gewitters keine Metallteile im Innenraum zu berühren und Fenster sowie Türen geschlossen zu halten. Cabrios und Fahrzeuge mit Kunststoffkarosserie bieten keinen Schutz.

Was ist die richtige Schutzhaltung, wenn ich im Freien überrascht werde?

Hocken Sie sich mit geschlossenen Füßen hin, setzen Sie sich auf die Fußballen (nicht flach), umfassen Sie die Knie und senken Sie den Kopf. Halten Sie mindestens drei Meter Abstand zu anderen Personen. Diese Haltung minimiert die Kontaktfläche zum Boden und reduziert das Risiko einer Schrittspannung.

Warum sind Bäume bei Gewitter so gefährlich?

Blitze suchen den kürzesten Weg zur Erde und schlagen bevorzugt in erhöhte Punkte wie Bäume ein. Der Strom fließt durch den Stamm und kann auf nahestehende Personen überspringen (Überschlag). Zudem entsteht im Boden um den Baum eine gefährliche Schrittspannung. Alle Baumarten sind gleichermaßen gefährlich.

Wie viel Vorlaufzeit habe ich normalerweise bei einem herannahenden Gewitter?

Gewitterfronten bewegen sich mit 40 bis 60 Kilometern pro Stunde, manchmal schneller. Was am Horizont noch weit entfernt erscheint, kann innerhalb von 10 bis 15 Minuten über Ihnen stehen. Verlassen Sie sich nicht darauf, dass es erst gefährlich wird, wenn es regnet – Blitze können auch außerhalb der Hauptzelle einschlagen.

Sturmfels Silas

Geschrieben von Chefredakteur

Sturmfels Silas

Silas studierte Kulturwissenschaften an einer deutschen Universität und arbeitete anschließend acht Jahre in der Verbraucherpresse, bevor er 2019 zu Initium Baden kam. Sein Schwerpunkt liegt auf gesellschaftlichen Trends und deren Auswirkungen auf Gesundheit und Lebensstil. Er leitet heute die Redaktion und verantwortet die inhaltliche Ausrichtung aller Ressorts.

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